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Wise Leadership – die Zeit ist reif

Weise Führung wäre gefragter denn je, in der Realität ist sie äusserst rar. Wo liegt der «Hund» begraben?

Ich schaue in die Welt und frage mich, wie ich deren Zustand beschreiben und einschätzen würde.

Da ist bei weitem nicht nur die zur Zeit aktuelle Klimadebatte, welche in erster Linie aufzeigt, wie unterschiedlich sowohl über deren Dringlichkeit wie auch über Lösungsansätze gedacht wird. Eine Frage ist, weshalb oft bei Entscheidungsträgern der Wille fehlt gemäss deren Erkenntnissen konsequent zu handeln.

Aber, es geht heute auch um Themen wie Migration von Flüchtlingsströmen, um Risiken in der Finanzwelt und der ganzen Wirtschaft sowie um teilweise zunehmende soziale Ungerechtigkeiten und Unterschiede, welche auch oft in Gewalt münden.

In der Wirtschaft scheint vieles irgendwie überholt, was die Strukturen angeht, das Zusammenspiel von Interessenvertretern oder was die wiederkehrende Diskussion von sogenannt «unanständig» hohen Gehältern von Top-Managern betrifft.

Was wäre in einer Zeit zunehmender Spannungen und Spannungsfelder denn nun weise Führung – Wise Leadership?

Es könnte zum Beispiel um die Einsicht gehen, dass alle angesprochenen Themen kaum mit einseitigen Lösungsansätzen und schon gar nicht mit gegenseitigen Schuldzuweisungen erfolgreich zu bewältigen sind. Ganzheitliche und umfassende Betrachtungsweisen (bspw. die 4 P’s…Profit, People, Planet, Purpose) sind gefragt. Diese erfordern Umsicht und Weitsicht. Nicht alles, was kurzfristig eine Verbesserung ist, kann auch in die weiter entfernte Zukunft und nachhaltig funktionieren. Abgesehen davon, dass jede Lösung auch wieder potentiell neue Schwierigkeiten entstehen lassen kann. Offensichtlich wird, dass niemand alleine DIE Lösung oder DIE richtige Perspektive haben kann; vielmehr ginge es darum anzuerkennen, dass die Diversität der Perspektiven – auch durchaus gegensätzliche – erst das ganze Bild sichtbar machen, welches sinnvolle Entscheidungen oder Handlungen ermöglicht.

Am allerwichtigsten allerdings wäre es, dass viel tiefgründiger hinter die menschlichen Ursachen der genannten Herausforderungen geschaut wird. Worum geht es im Kern wirklich und welche teilweise auch nicht sichtbaren Mechanismen sind am Werk und führen zur heutigen Situation? Wie kommt es zu den sich oft gegenseitig behindernden oder bekämpfenden Gegenbewegungen und was macht die gemeinsame Umsetzung bei bedrohlichen Themen so schwierig?

Wie eingangs erwähnt, kann mehr als einem lieb ist beobachtet werden, dass sich gerade Entscheidungsträger schwer tun mutig voranzugehen und notwendige Veränderungen auf verschiedenen Ebenen im Interesse des übergeordneten Ganzen einzuleiten. Weshalb denn?

Eine mögliche Antwort ist:  ANGST

Dies sind ein paar vermutete versteckte Ängste, welche dieselben Menschen begleiten:

  • Angst, etwas persönlich Wichtiges zu verlieren wie etwa Ansehen, Status, Privilegien, Einfluss
  • Angst nicht gut genug zu sein und deshalb mehr «haben» zu müssen, andere nennen es Gier
  • Angst nicht gemocht (geliebt) zu werden und sich deshalb allen gegenüber beweisen zu müssen

Die Angst ist jedoch überall, auf allen Ebene, auch bei Mitarbeitenden. Sie haben Angst ihren Job zu verlieren, bestraft zu werden….und lassen deshalb wahrscheinlich den Mut, offensichtlich ungünstige Zustände offen zu hinterfragen oder zu beanstanden.

All die genannten Ängste werden kaum sichtbar gemacht, sie binden unbemerkt viel Energie und haben eine stark hemmende Kraft.

Aus weiser Betrachtung sollten Ängste vielleicht eher als Ressource gesehen werden, als eine Qualität, welche den Menschen zusätzliches Bewusstsein bringt. Dieses könnte notwendig sein, um dieselben Ängste zu überwinden. Dann ist Mut – bei uns oft als Zivilcourage bezeichnet – möglich, da wo es ihn braucht. Mut kommt in anderen Sprachen von Herz – Coeur, Courage. Wir würden erkennen können, dass unser dominanter Verstand (Geist) am Steuer ist, nicht das Herz und dass sich alles ihm unterordnet. Wir würden sehen, dass das Gefühl voneinander getrennt zu sein unser tägliches Verhalten bestimmt und nicht dasjenige der tieferen Verbundenheit.

Was es meiner Meinung nach braucht, sind sinnvolle Time-out’s – Auszeiten, Denk-, Reflexions- und Begegnungsräume, in welchen Menschen, voran auch Entscheidungsträger, Unternehmer und Regierungsmitglieder sich wertfrei, ehrlich und offen über ihre Herausforderungen, Spannungsfelder, Gegensätze und ihre Emotionen sowie Empfindungen austauschen können. «Räume», in welchen Verletzlichkeit aufgrund des geschützten Rahmens möglich ist und in welchen jeder ganz einfach sich selbst sein darf und kann.

So könnten sie tiefere Quellen des individuellen weisen Wissens, der Intuition, der tiefgreifenden Erneuerung entdecken und ihren authentischen Impulsen folgen, egal wie gross ihre Verantwortung im beruflichen Kontext ist. Sie könnten ihr Bewusstsein schärfen und stärken, welches auch das Vertrauen in die kollektive Intelligenz unterstützt. Sinnvolle und für alle Betroffenen annehmbare Lösungen und Fortschritte sowie die Befriedigung der involvierten oder betroffenen Interessenvertreter (Stakeholder) wären die wahrscheinliche Folge.

Das Center of Wise Leadership fokussiert im Kontext weiser Führung auf folgende vier Qualitäten: Einsicht, Umsicht, Weitsicht und Nachsicht. Diese werden im Kontakt (Beratung, Coaching und Begleitung von Unternehmen) mit Führungskräften, Unternehmern und Entscheidungsträgern in der praktischen Anwendung betrachtet, reflektiert und so gefördert. Entscheidungen in Wirtschaft und Gesellschaft können so vermehrt als schlüssig und sinnvoll aus der Gesamtbetrachtung bewertet und wahrgenommen werden. Unter der Berücksichtigung der tieferen Zusammenhänge zwischen Mensch, Wirtschaft, Gesellschaft und Natur.

Autor: Claude Heini

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